Geschäftsjahr Abschließen: Checkliste für Selbstständige und Freiberufler
Der Jahreswechsel ist für Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer die wichtigste Zeit im Buchhalterkalender. Wer bis zum 31. Dezember alles geregelt hat, vermeidet Stress im Januar — und nutzt steuerliche Gestaltungsspielräume, die danach verloren gehen. Diese Checkliste führt dich strukturiert durch alle Aufgaben.
Warum der Jahresabschluss so wichtig ist
Anders als bei Angestellten endet das Steuerjahr für Selbstständige nicht einfach von selbst. Du musst aktiv handeln: Belege einsammeln, letzte Ausgaben optimieren, Vorauszahlungen anpassen und Fristen im Blick behalten. Wer das systematisch angeht, spart Zeit, Geld und Nerven.
Checkliste Teil 1: Buchhaltung abschließen
□ Alle Einnahmen erfassen Prüfe, ob alle Ausgangsrechnungen des Jahres gebucht sind. Vergiss dabei nicht:
- Kleinbeträge, Barzahlungen, PayPal- und Stripe-Eingänge
- Teilzahlungen und Abschlagszahlungen
- Sachleistungen und Tauschgeschäfte (müssen bewertet werden)
□ Alle Ausgaben buchen Stelle sicher, dass alle betrieblichen Ausgaben des Jahres erfasst sind:
- Offene Eingangsrechnungen, die noch nicht verbucht wurden
- Jahresabonnements (Softwarelizenzen, Fachliteratur)
- Anteilige Privatausgaben (Homeoffice, Kfz)
□ Belege vollständig und geordnet ablegen Ordne alle Belege chronologisch oder nach Kategorien. Digitale Belege müssen GoBD-konform gespeichert sein — unveränderbar, vollständig, nachvollziehbar. Die Aufbewahrungspflicht beträgt 10 Jahre für Buchungsbelege.
□ Offene Forderungen prüfen Welche Rechnungen sind noch offen? Verschicke letzte Zahlungserinnerungen oder bereite Mahnverfahren vor. Uneinbringlich gewordene Forderungen können als Verlust abgeschrieben werden.
Checkliste Teil 2: Steuerliche Optimierung
□ GWG-Ausgaben vorziehen Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis 800 € netto kannst du im Jahr der Anschaffung sofort vollständig abschreiben. Wenn du noch Anschaffungen geplant hast (Laptop, Drucker, Büromöbel), lohnt es sich, diese noch vor dem 31. Dezember zu tätigen.
□ Investitionen und Abschreibungen prüfen Hast du größere Anschaffungen gemacht? Prüfe, ob eine Sofortabschreibung (GWG bis 800 €) oder eine reguläre AfA (Abschreibung für Abnutzung) günstiger ist. Für bestimmte Wirtschaftsgüter gibt es Sonderabschreibungen nach § 7g EStG.
□ Homeoffice-Pauschale geltend machen Ab 2023 gilt eine Pauschale von 6 € pro Homeoffice-Tag, maximal 1.260 € pro Jahr (entspricht 210 Tagen). Diese Pauschale gilt für alle, die zu Hause arbeiten — auch ohne abgetrenntes Arbeitszimmer.
□ Kfz-Kosten prüfen Nutzt du ein Fahrzeug betrieblich? Wähle zwischen der 1-%-Methode (monatlich 1 % des Listenpreises als Privatanteil) oder dem Fahrtenbuch (exakte Aufteilung). Der Wechsel ist nur zum Jahresbeginn möglich.
□ Letzter Blick auf Vorsorgeaufwendungen Beiträge zur gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung, Rentenversicherung und Haftpflicht sind steuerlich absetzbar. Stelle sicher, dass du alle relevanten Belege zusammen hast.
Checkliste Teil 3: Umsatzsteuer
□ Letzte Umsatzsteuervoranmeldung des Jahres Für das vierte Quartal (oder den Monat Dezember) muss die UStVA bis zum 10. Januar abgegeben werden. Bereite die Zahlen rechtzeitig vor.
□ Kleinunternehmer: Jahresumsatz prüfen Wenn du nach § 19 UStG als Kleinunternehmer behandelt wirst, prüfe ob dein Umsatz unter 22.000 € (Vorjahr) bzw. unter der voraussichtlichen Grenze für das laufende Jahr geblieben ist. Überschreitest du die Grenze, verlierst du den Kleinunternehmerstatus ab dem Folgejahr.
□ Umsatzsteuerjahreserklärung vorbereiten Die Umsatzsteuerjahreserklärung ist Teil der Steuererklärung und muss bis zum 31. Juli des Folgejahres abgegeben werden (mit Steuerberater bis 28. Februar übernächstes Jahr).
Checkliste Teil 4: Einkommensteuerliche Vorauszahlungen
□ Vorauszahlungen überprüfen Das Finanzamt setzt Vorauszahlungen auf Basis des Vorjahresergebnisses fest. Wenn dein Gewinn in diesem Jahr deutlich höher oder niedriger war, solltest du die Vorauszahlungen für das Folgejahr anpassen lassen.
Zu hohe Vorauszahlungen bedeuten unnötigen Liquiditätsverlust — zu niedrige führen zu einer hohen Nachzahlung mit möglichen Zinsen. Die Anpassung beantragst du beim Finanzamt formlos oder über ELSTER.
□ Einkommensteuer-Rücklage bilden Falls du keine Vorauszahlungen leistest oder diese zu niedrig waren, bilde eine Rücklage. Empfehlung: 25–35 % des Gewinns je nach Steuersatz zurücklegen.
Checkliste Teil 5: Administrative Aufgaben
□ Versicherungen und Verträge prüfen Jahreswechsel ist ein guter Zeitpunkt:
- Haftpflichtversicherung ausreichend?
- Berufsunfähigkeitsversicherung aktuell?
- Abonnements und Lizenzen noch nötig?
□ Kundendaten und Verträge aktualisieren Sind alle Kundenverträge aktuell? Gibt es Preisanpassungen, die du kommunizieren möchtest?
□ Datenschutz: Daten löschen oder archivieren Kundendaten, die nicht mehr benötigt werden, müssen gemäß DSGVO gelöscht werden. Steuerlich relevante Unterlagen müssen dagegen aufbewahrt werden.
□ Software-Updates und Datensicherung Aktualisiere deine Buchhaltungssoftware. Erstelle eine vollständige Datensicherung aller Geschäftsdaten.
Die wichtigsten Fristen im Überblick
| Aufgabe | Frist | |---|---| | Letzte UStVA Q4 / Dezember | 10. Januar | | Vorauszahlungen anpassen | Laufend | | Steuererklärung (ohne Steuerberater) | 31. Juli | | Steuererklärung (mit Steuerberater) | 28. Februar Folgejahr | | Aufbewahrungspflicht Buchungsbelege | 10 Jahre | | Aufbewahrungspflicht Geschäftsbriefe | 6 Jahre |
Was tun, wenn du nicht fertig wirst?
Wenn der Jahresabschluss nicht bis Ende Dezember vollständig ist, ist das kein Drama — die Steuererklärung hat ohnehin bis Ende Juli Zeit. Wichtig ist, dass du:
- Alle Belege gesammelt und gesichert hast
- Keine steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten bis 31.12. verpasst hast (v. a. GWG-Anschaffungen)
- Eine realistische Rücklage für die Steuernachzahlung gebildet hast
Zum Thema Jahresabschluss als Freiberufler mit EÜR und ELSTER-Formularen findest du mehr in Jahresabschluss als Freiberufler vorbereiten. Tipps zur Steuererklärung im Detail gibt es in Steuererklärung Selbstständige: 10 Tipps.
Invoices Customers hält alle deine Rechnungen geordnet — so hast du zum Jahresabschluss immer eine vollständige Übersicht deiner Einnahmen griffbereit.