Stundensatz berechnen als Freiberufler: Schritt für Schritt
Den richtigen Stundensatz berechnen ist eine der wichtigsten — und häufig unterschätzten — Aufgaben für Freiberufler in Deutschland. Zu viele Selbstständige orientieren sich am Marktdurchschnitt oder nehmen einfach, was der erste Kunde bietet. Das Ergebnis: Sie arbeiten hart, verdienen aber nach Steuern und Sozialabgaben kaum mehr als ein Angestellter — oder sogar weniger.
Diese Anleitung zeigt dir, wie du deinen individuellen Stundensatz Schritt für Schritt berechnest.
Warum der Marktpreis der falsche Ausgangspunkt ist
Viele Freiberufler schauen zuerst, was Kollegen oder Plattformen wie Freelancermap oder Upwork für ähnliche Leistungen verlangen — und orientieren sich dann daran. Das klingt vernünftig, ist aber gefährlich.
Der Marktpreis berücksichtigt nicht deine persönlichen Kosten, deine Auslastung oder deine Steuerlast. Jemand, der 80 € pro Stunde verlangt, kann damit gut leben — oder damit rote Zahlen schreiben. Es kommt auf die individuelle Kalkulation an.
Der richtige Ausgangspunkt ist immer dein Wunsch-Nettoeinkommen — was du monatlich nach Steuern und allen Ausgaben wirklich auf dem Konto haben möchtest.
Die Formel: So berechnest du deinen Stundensatz
Der Stundensatz berechnet sich nach dieser Grundformel:
Stundensatz = (Jahreskosten + Jahresgewinn) ÷ fakturierbare Jahresstunden
Gehen wir die einzelnen Bestandteile durch.
Schritt 1: Bestimme dein Wunsch-Nettoeinkommen
Angenommen, du möchtest 3.000 € netto pro Monat — also 36.000 € im Jahr. Das ist dein Ausgangspunkt.
Schritt 2: Berechne deine Steuern und Abgaben
Als Freiberufler zahlst du in Deutschland:
- Einkommensteuer (progressiv, je nach Einkommen ca. 20–42 %)
- Solidaritätszuschlag (für höhere Einkommen)
- Krankenversicherung (gesetzlich ca. 14–16 % des Einkommens, oder private KV)
- Rentenversicherung (freiwillig, aber dringend empfohlen: ca. 18,6 % oder pauschale Beiträge)
- Gegebenenfalls Umsatzsteuer (wenn du nicht unter §19 UStG fällst: 19 %, die du weiterreichst — aber nicht selbst trägst)
Für ein Nettoeinkommen von 36.000 € musst du bei einer Gesamtsteuer- und Abgabenquote von rund 35 % mit einem Bruttobedarf von ca. 55.000 € rechnen.
Schritt 3: Addiere deine Betriebskosten
Dazu kommen deine laufenden Geschäftskosten:
- Büro oder Homeoffice-Anteil (ca. 1.200–3.600 €/Jahr)
- Hardware, Software, Lizenzen (ca. 1.000–2.500 €/Jahr)
- Weiterbildung, Fachliteratur (ca. 500–1.500 €/Jahr)
- Versicherungen (Berufshaftpflicht, BU etc.): ca. 800–2.000 €/Jahr
- Steuerberater: ca. 1.000–2.500 €/Jahr
- Sonstiges (Fahrtkosten, Marketing): ca. 1.000 €/Jahr
Realistisches Beispiel: 8.000 € Betriebskosten pro Jahr.
Dein Jahresumsatzbedarf: 55.000 € + 8.000 € = 63.000 €
Schritt 4: Berechne deine fakturierbaren Stunden
Ein Jahr hat 52 Wochen. Ziehe ab:
- 30 Urlaubstage = 6 Wochen
- 10 Feiertage = 2 Wochen
- Krankheit, Weiterbildung, Akquise = ca. 3 Wochen
Bleiben 41 Arbeitswochen. Bei 40 Stunden pro Woche wären das 1.640 Arbeitsstunden.
Aber: Nicht alle Arbeitsstunden sind fakturierbar. Akquise, Buchhaltung, E-Mails, Angebote schreiben — das alles kostet Zeit, ohne dass du dafür direkt bezahlt wirst. Realistisch sind 60–70 % fakturierbare Auslastung, also ca. 1.000–1.150 fakturierbare Stunden.
Schritt 5: Berechne den Stundensatz
Mit 63.000 € Jahresumsatzbedarf und 1.100 fakturierbaren Stunden:
63.000 € ÷ 1.100 Stunden = 57,27 € pro Stunde
Das ist dein Mindest-Stundensatz. Um einen Puffer für schlechtere Monate, Investitionen oder Wachstum einzubauen, solltest du einen Aufschlag von 15–20 % einkalkulieren — also rund 65–70 € pro Stunde.
Stundensatz oder Tagessatz (TJM)?
Im deutschen Markt arbeiten viele IT-Freiberufler und Berater mit einem Tagessatz statt einem Stundensatz. Der Tagessatz (TJM = Tagesjournal-Mittelwert, englisch "day rate") entspricht in der Regel 7–8 Stunden.
Bei einem Stundensatz von 65 € wäre dein Tagessatz: 65 € × 8 = 520 € pro Tag.
In der IT- und Unternehmensberatung sind Tagessätze von 700–1.200 € keine Seltenheit — das entspricht Stundensätzen von 87–150 €.
Häufige Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation
Fehler 1: Urlaubstage und Feiertage vergessen Viele Freiberufler kalkulieren 52 Wochen × 40 Stunden = 2.080 Stunden — und vergessen, dass sie in dieser Zeit Urlaub machen, krank werden und Akquise betreiben müssen.
Fehler 2: Nicht-fakturierbare Zeit unterschätzen Gerade am Anfang unterschätzen Freiberufler, wie viel Zeit für Verwaltung, Angebote und Kundenkommunikation draufgeht.
Fehler 3: Zu niedriger Puffer Kein Auftragspuffer bedeutet: Ein Monat ohne Aufträge reißt das gesamte Jahresergebnis in die Roten Zahlen.
Fehler 4: Stundensatz nie anpassen Dein Stundensatz sollte mindestens einmal jährlich überprüft und an Inflation, gestiegene Kosten und deine Marktposition angepasst werden.
Wann und wie oft solltest du deinen Stundensatz erhöhen?
Viele Freiberufler setzen ihren Stundensatz einmal fest — und lassen ihn jahrelang unverändert. Das ist ein teurer Fehler. Die Inflation allein frisst jährlich 2–3 % deiner Kaufkraft. Dazu kommen steigende Kosten für Software, Krankenversicherung und Altersvorsorge.
Faustregel: Überprüfe deinen Stundensatz einmal pro Jahr — idealerweise zum Jahresende oder nach Abschluss eines größeren Projekts. Eine Erhöhung von 5–10 % pro Jahr ist für erfahrene Freiberufler marktüblich und von den meisten Kunden akzeptiert, wenn du sie frühzeitig ankündigst.
Gute Gründe für eine sofortige Erhöhung:
- Du bist regelmäßig ausgebucht und musst Aufträge ablehnen
- Du hast neue Qualifikationen oder Zertifikate erworben
- Deine Kunden sind überwiegend große Unternehmen mit entsprechenden Budgets
- Du hast gemerkt, dass Wettbewerber deutlich mehr verlangen
Kommuniziere Preiserhöhungen professionell: Informiere Bestandskunden mindestens 4–6 Wochen im Voraus schriftlich, erkläre kurz den Grund (gestiegene Kosten, Marktanpassung) und bedanke dich für die bisherige Zusammenarbeit.
Rechnungen effizient erstellen mit dem richtigen Tool
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Fazit: Rechne deinen Stundensatz selbst aus
Der richtige Stundensatz als Freiberufler hängt von deinen persönlichen Zielen, Kosten und deiner Auslastung ab — nicht vom Marktdurchschnitt. Die Formel ist einfach:
- Wunsch-Nettoeinkommen festlegen
- Steuern und Abgaben draufrechnen
- Betriebskosten addieren
- Fakturierbare Stunden realistisch schätzen
- Dividieren — und einen Puffer einkalkulieren
Mehr zu deutschen Steuer- und Buchführungsregeln für Freiberufler findest du in unserem Artikel zur einfachen Buchhaltung für Freiberufler. Und wenn du dein erstes Angebot schreiben willst, hilft dir unser Guide zu Angebot erstellen als Selbstständiger.